Programmieren lernen mit Lego Education WeDo 2.0

„Wozu muss denn bitteschön Programmieren in der Schule gelernt werden?“ und „Es kann doch nicht jedes Kind später Programmiererin oder Programmierer werden!“ sind Sätze, die ich immer wieder von Lehrkräften höre, wenn das Thema Coding im Unterricht aufkommt. Es gebietet schon der gesunde Menschenverstand, dass die zweite Anmerkung mit einem „Nein“ beantwortet werden kann. Um die Frage nach dem Sinn zu beantworten möchte ich kurz etwas ausholen.

Unter Programmieren wird meist das Einhacken von kryptischen Befehlen in einen Editor verstanden, deren Syntax Normalsterbliche nicht verstehen. Man hat auch schnell das Bild einer Person vor Augen, die vereinsamt zwischen Pizzaschachteln auf einen Bildschirm starrt. Weder haben die heutigen pädagogischen Programmiersprachen aber etwas mit Unmengen an Codezeilen gemein, noch sollte man am Bild vom „lonesome hacker“ festhalten. Vielmehr gibt es eine Vielzahl an grafischen Programmiersprachen, die meist nach dem Konzept von Puzzleteilen funktionieren: Befehle werden mit wenigen Mausklicks „zusammengesteckt“ und mit Einstellungen, sogenannten Parametern, versehen, um Spielfiguren, Robotern oder auch Drohnen Befehle zu erteilen. Dabei kommt der Partner- und Gruppenarbeit eine wichtige Bedeutung zu: Programmieren fängt meist nicht mit Computern oder Tablets an, sondern beginnt mit Brainstorming und viel, viel Kommunikation (auch während des gesamten Prozesses!).
Und schon sind wir beim 4K-Modell: Kommunikation, Kooperation, Kreativität und Kritisches Denken – Kompetenzen, die eine herausragende Bedeutung für Lernende im 21. Jahrhundert haben und beim Programmieren ganzheitlich gefördert werden. Zudem werden logisches, problemlösendes und analytisches Denken ebenso unterstützt wie selbstständiges und strukturiertes Handeln.
In einer mehr und mehr technisierten Welt erscheint es mir außerdem wichtig, dass Kinder und Jugendliche technische Geräte nicht als „Black Box“ ansehen, deren Funktionsweise ein Mysterium ist. Für die mündige Teilhabe an der Welt von morgen, die von Algorithmen, Künstlicher Intelligenz, Robotik und Big Data gekennzeichnet sein wird, benötigen die Kinder und Jugendlichen zumindest ein Grundverständnis, um der Technik nicht gänzlich ausgeliefert zu sein.

Lego Education WeDo 2.0

Mit Lego Education WeDo 2.0 hat die dänische Klötzchenfirma ein Set entwickelt, das zwei Konzepte vereint, die besser nicht zusammenpassen könnten: Objekte mit Bausteinen erschaffen und ihnen mit Sensoren und Programmierbefehlen Leben einhauchen!

Mit dem Bausatz werden Grundschülern naturwissenschaftliche Themen und informatisches Denken vermittelt. Zu den eigentlichen Legosteinen in der Aufbewahrungsbox gehört auch eine App, die für alle gängigen Betriebssysteme verfügbar ist. Sie stellt neben den didaktisch aufbereiteten Themen auch die Programmieroberfläche zur Verfügung.

Die Projekte beinhalten Themen wie „Zugkraft und Reibung“, „Standfestigkeit“, „Objekte greifen“ und „Nachrichten senden“.
Didaktisch ist jedes Projekt so aufbereitet, dass zunächst die Lernziele den Kindern transparent vorgestellt werden und ein Video in die Problemstellung einführt. Beim Thema „Zugkraft und Reibung“ werden bspw. Schlittenhunde, am Seil ziehende Kinder und ein Traktor mit einem Anhänger gezeigt. Danach werden Fragen präsentiert, wie etwa „Was ist Reibung?“ oder „Wodurch kann die Zugkraft eines Roboters verbessert werden?“. Die Kinder sollen dazu ihre Vermutungen äußern und können diese direkt in der App festhalten. Danach folgt dann eine Anleitung, wie der Roboter gebaut werden muss. Bestandteil dessen ist immer auch der SmartHub, eine Schaltzentrale, die über Bluetooth mit der App kommuniziert und den Programmcode entgegennimmt. Nach Anleitung können die Lernenden dann die Programmierbefehle anorden und den Code schließlich am Roboter ausführen lassen. Zusatzaufgaben wie „Kann der Roboter mehr Reifen gleichzeitig ziehen, wenn ihr die Reifen im Rahmen aufeinander stapelt?“ laden zum Experimentieren und Nachdenken ein. Zusätzliche Expertenaufträge dienen der weiteren Differenzierung. Am Ende eines Projekts muss dann eine Präsentation erstellt werden – hierzu bietet die App einen speziellen Editor an, mit dessen Hilfe Texte, Fotos und Videos das Projekt dokumentieren. Die pädagogische Zielsetzung ist hier klar erkennbar: Nachbildung eines echten Experimentes und dazu gehört auch eine richtige Präsentation am Schluss! Das gefällt mir gut.

Zusätzlich zu den geführten gibt es auch offene Projekte, die lediglich Anregungen bieten und auf die mitgelieferte Konstruktionsbibliothek verweisen. Diese empfehlen sich meiner Meinung nach erst, nachdem die geführten Projekte absolviert, diverse Roboter gebaut und deren Funktionen verinnerlicht wurden. Dann sind diese aber eine schöne Möglichkeit, die 4Ks noch deutlich tiefer zu fördern.

Fazit

Mit WeDo ist Lego Education ein rundum schlüssiges Konzept zum spielerischen Erlernen des Programmierens gelungen. Besonders die didaktische Aufbereitung der App hat mir sehr gut gefallen! Real-World-Problems werden mit Anregungen zu Lösungen kombiniert. Die Lernenden müssen dabei richtig aktiv werden und ihre grauen Zellen anstrengen. So macht Programmieren Spaß!