Hörspiele produzieren

By: Paolo SarteschiCC BY 2.0

Förderung von Kreativität, Ermöglichung von nachhaltigem Lernen, Aktivierung von lernschwachen Schülern, Anbahnung einer breit gefächerten Medienkompetenz – dies sind nur einige der vielen Vorteile, die sich aus der Produktion und dem Schnitt von Hörspielen im Unterricht ergeben.

Im Folgenden möchte ich dies am Beispiel einer Fabelvertonung mit Schülerinnen und Schülern der 6. Jahrgangsstufe darstellen.

Grundsätzlich lässt sich eine Hörspielproduktion in drei Phasen untergliedern:

  1. Vorbereitung
  2. Aufnahme
  3. Audioschnitt

In der Vorbereitungsphase erarbeiten die Schüler die Texte, verteilen die Sprechrollen und überlegen sich Geräusche für die Vertonung.
Besonders Spaß macht es, wenn für die Herstellung von Geräuschen Gegenstände verwendet werden, die sich im Klassenzimmer oder Schulhaus befinden. Man staune, wofür sich beispielsweise eine Tafel, eine Tür oder eine Gitarrensaite zweckentfremden lassen! Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt!
Eine weitere Möglichkeit ist es, auf bereits vorhandenes Tonmaterial im Netz zurückzugreifen. Hierbei muss den Schülern verdeutlicht werden, dass urheberrechtlich geschützte Werke nicht verwendet werden dürfen.
Eine gute Anlaufstelle, um lizenzfreie Sounds herunterzuladen ist freesound.

In der anschließenden Phase werden die einzelnen Sprechakte und Geräusche aufgenommen.
Aus Kostengründen und aufgrund der weiten Verbreitung kann man hierfür auf Smartphones, welche alle eine Aufnahmefunktion bieten, zurückgreifen. Dennoch sind dedizierte Aufnahmegeräte, wie z.B. das Zoom H1, empfehlenswert. Zum einen sind die verbauten Mikrofone qualitativ hochwertiger, zum anderen können auch Kopfhörer angeschlossen werden, um die Lautstärke zu kontrollieren (Monitoring). Somit kann unmittelbar auf einen zu geringen oder zu nahen Abstand zum Sprecher reagiert werden.
Generell empfiehlt es sich, die Aufnahme nicht analog der chronologischen Reihenfolge der Textvorlage zu machen, da hierbei meist häufig zwischen den aufzunehmenden Personen gewechselt werden muss. Praktischer ist es, sämtliche Aufnahmen pro Sprecher durchzuführen – mit einem Audioschnittprogramm können diese dann an die richtige Position gesetzt werden.

Ein weit verbreitetes Programm für den Audioschnitt ist Audacity. Es ist kostenlos und plattformübergreifend verfügbar und bietet Multi-Track-Editing. Hiermit können mehrere Tonspuren übereinander gelegt und die darin enthaltenen Dateien verschoben werden, sodass bspw. parallel zu einem Sprecher ein Geräusch abgespielt werden kann. Die einzelnen Aufnahmen werden über DateiImportierenAudio… eingefügt und als separate Tonspur angelegt.

Multi-Track-Editing

Nicht benötigtes Tonmaterial lässt sich einfach über ein Markieren und BearbeitenLöschen entfernen.

Löschen

Mit dem Verschiebewerkzeug können dann Inhalte der Tonspuren auch leicht verschoben werden. Vorsicht: Dies funktioniert nur, wenn das Abspielen gestoppt und nicht pausiert ist!

Verschiebewerkzeug

Schließlich sei noch auf das Effekte-Menü verwiesen: Besonders Einblenden und Ausblenden wird man häufig brauchen, damit einzelne Tonelemente nicht zu harsch klingen.

Effekte

Insgesamt lasen sich mit sehr geringem Aufwand tolle Ergebnisse erzielen. Die Schülerinnen und Schüler können sich bei der Produktion in verschiedene Rollen begeben und ihre Kompetenzen stärken: seien es Sprecher, Geräuschingenieure, Aufnahmeleiter, oder Schnitt-Team – für jeden sollte etwas Passendes dabei sein.
Das Programm Audacity, welches auf den ersten Blick mit seinen vielen Funktionen und Einstellungen abschrecken mag kann durchaus auch in Schülerhände gegeben werden. Nach einer Schulstunde Einführung schnitten die Sechstklässler wie die Weltmeister!

Die Fabel “Die Eidechse und der Hirsch” kann über iTunes angehört werden.