Fame ist alles, oder?

Die Online-Gemeinde der Selbstdarsteller hat ein Medium mehr, um sich der Welt zu zeigen: YouNow!

Was ursprünglich als Promotionsplattform für Musiker und Kreative gedacht war hat spätestens seit Ende des letzten Jahres bei vielen Teenagern Einzug in die Kinderzimmer genommen – allein in den letzten beiden Monaten stieg der Anteil der deutschen Nutzer um 250 Prozent!
Beliebte Hashtags, über die sich mehr oder weniger kategorisierte Themen finden lassen sind beispielsweise #deutsch-girl oder #deutsch-boy.

Doch wie funktioniert YouNow eigentlich und was macht es so attraktiv? Im Prinzip ist YouNow, wie der Name schon etwas impliziert, eine Art Live-YouTube: jeder kann senden und zwar live, inklusive Kommentarsystem und
den altbekannten Funktionen “Like” bzw. “Follow”.

Was erscheint also problematisch an YouNow?

Die Tatsache, dass es sich um einen Live-Videostream handelt, den man völlig unkompliziert starten kann, mag für viele Jugendliche besonders verlockend sein – wo sonst bekommt man auf seine digitale Selbstvermarktung eine so unmittelbare Rückmeldung wie bei YouNow und seinem Kommentarsystem? Das Ganze auch noch ohne ein Studio, sondern direkt aus dem Kinder- oder (man staune) sogar aus dem Klassenzimmer?

Während man sich also bei bisherigen Diensten meist auf das asynchrone und zeitversetzte Senden einlassen musste, hat man es nun mit einer digitalen Zurschaustellung zu tun, bei der sich das, was man sagt oder tut, nicht mehr rückgängig machen lässt.

Viele Jugendliche gehen auf der Plattform auch zu großzügig mit der Angabe ihrer persönlichen Infos um oder zeigen sich sogar äußerst freizügig – ein gefundenes Fressen für Stalker oder Pädophile. Beleidigungen, Belästigungen und sexuelle Anmachen sind somit leider keine Seltenheit.
Selbst Nutzer, die vermeintlich anonym senden wägen sich zu Unrecht in Sicherheit: YouNow bietet eine besonders unkomplizierte Anmeldung über bereits bestehende Accounts bei Facebook, Twitter oder Google Plus. Hierbei werden die entsprechenden Zugänge auch gleich mit dem YouNow-Profil verknüpft. Wer also bei YouNow wenig von seinen privaten Daten preisgibt, ist bei Facebook & Co. mit seinen Angaben vielleicht etwas freizügiger und offenbart dann auf diese Weise leider trotzdem seine Identität.

Man kann sich zurecht fragen, wo denn bei YouNow die Altersbeschränkungen liegen.
Der Dienst setzt, genauso wie Facebook, ein Mindestalter von 13 Jahren voraus. Nutzer unter 18 Jahren brauchen zudem die Erlaubnis der Eltern. Die Praxis zeigt jedoch, dass unter den Usern auch deutlich jüngere Kinder sind und die Eltern häufig einen geringen Kenntnisstand vom Internetverhalten ihrer Sprösslinge haben.

Die Rechtsanwälte Tobias Röttger und Christian Solmecke weisen zudem auf weitere Problemstellungen, die sich aus dem Senden ins Netz ergeben, hin:

Vielfach wird das Recht am eigenen Bild missachtet, wenn sich auch noch andere Personen im Bereich der Kamera befinden, die keine Einverständnis zur Veröffentlichung geäußert haben. Dies ist zum Beispiel, wie oben bereits angeführt, bei heimlich aufgenommenen Aufnahmen im Klassenzimmer der Fall.

Außerdem zeigt sich immer wieder, dass Videos gestreamt werden, bei denen im Hintergrund Musik läuft, die in den allermeisten Fällen der GEMA-Pflicht unterliegt – was im Nachhinein teuer werden kann.

Fazit

Mit YouNow ist ein weiterer Dienst verfügbar, der auf Heranwachsende einen unglaublichen Reiz ausüben kann. Wie bei allen anderen Versuchungen der analogen und digitalen Welt werden auch hier Verbote eher das Gegenteil bewirken.

Meiner Ansicht nach ist gerade bei YouNow die Medienkompetenz von Eltern und Lehrkräften gefragt. In zunehmendem Maße wird von uns, die wir an der Bildung und Erziehung einen großen Anteil haben, die Funktion eines Kompasses verlangt, der den jungen Menschen den richtigen Weg weist und sie vor (digitalem) Schiffbruch bewahrt. Klicksafe bietet hier ein paar Anregungen und Hilfestellungen.

Sollten wir auf taube Ohren stoßen, so haben vielleicht professionelle YouTuber wie LeFloid einen größeren Einfluss.