Facebook – Digital Apocalypse Now

Meine Aversion gegenüber Facebook habe ich immer deutlich gemacht, insbesondere auch in meinen Fortbildungen.

Dieses soziale Netzwerk mag uns augenscheinlich helfen, indem es uns verbindet, uns teilhaben lässt an Ereignissen, uns Kommunikation ermöglicht und uns als Plattform zur Selbstvermarktung dient.

Und doch wird dabei oft außer Acht gelassen, dass es sich bei Facebook um eine Datensammelfirma handelt. Um einen der mächtigsten Großkonzerne im Netz, der uns kostenlose Spiele, kostenlose Chats, kostenlose Adressbücher und dergleichen bietet – alles Fresschen, um uns anzufixen, damit wir bereitwillig soviel wie möglich rausposaunen, sharen, liken, taggen, uploaden. Damit der Datensatz über uns auf den Servern von Facebook noch weiter wächst und so an Werbefirmen und Marktforschungsinstitute verkauft und sogar für psychologische Experimente herangezogen wird.

Das Unbedenklichkeitsargument „man habe als unbescholtener Bürger ja nichts zu verbergen“ möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter diskutieren und verweise auf Sascha Lobo.

Jetzt mögen sich diejenigen Netzbürger, die nicht bei Facebook sind (ich gehöre auch dazu), ins Fäustchen lachen ob der unmündigen Nutzer, die für ein bisschen Rumgeklicke auf der Farm ihre digitalen Hosen herunterlassen. Wenn es aber stimmt, was hier und hier kolportiert wird, dann haben wir es mit der Gefahr zu tun, dass Facebook auch Daten über Non-User sammelt.

Vor diesem Hintergrund hat mich der Artikel im Guardian nicht besonders überrascht. Facebook wird dabei – unter Berufung auf Ergebnisse verschiedener Forschungsgruppen – vorgeworfen, das Surfen zu tracken, also sämtliche angesteuerten Internetseiten aufzuzeichnen.

Was ist so schlimm daran?
„Doofe Facebooknutzer“, so könnte man vorschnell urteilen. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Es ist richtig, dass das Tracking die Nutzer des Dienstes betrifft. Die Geschichte bekommt jedoch schon eine leicht andere Dimension, wenn man bedenkt, dass hiervon auch die User betroffen sind, die sich per Logout abgemeldet haben. Geradezu ungeheurlich erscheint jedoch die Tatsache, dass auch die Historie von Nichtnutzern des Netzwerks aufgezeichnet wird.

Wie ist dies möglich?
Schuld daran sind die „Like“-Buttons, die Abermillionen von Seiten übersähen. Sobald jemand eine Seite auf der facebook.com-Domain besucht, installiert Facebook auf dem eigenen Computer ein Cookie. Wenn dann eine Seite, auf der ein „Like“-Button eingebaut ist, angesteuert wird, schickt das Tracking-Cookie die Seiteninformationen an Facebook zurück. Man muss hierbei den „Like“-Button gar nicht explizit angeklickt haben. Dies ist eine klare Verletzung des EU-Datenschutzrechts, welches eine Benachrichtigung über Cookies und die damit verbundene Einholung einer Einwilligung vorschreibt. Dieses Tracking ist demzufolge nach europäischem Recht illegal.

Gegenwehrmaßnahmen auf Nutzerseite gibt es natürlich.
Zum einen kann man seinen Browser so konfigurieren, dass jegliche Cookies abgelehnt werden. Leider gibt man damit etwas Komfort auf, da Cookies auch Einstellungen und andere kleine Informationen speichern – manche Websites verwehren beim Abschalten sogar völlig ihre Dienste.
Zum anderen bieten Plugins wie etwa Ghostery die Möglichkeit, Tracking zu unterbinden. Als schöner Nebeneffekt wird gleich noch störende Werbung weggefiltert.

Es bleibt ein bitteres Fazit: Wir bewegen uns immer weiter hin zum gläsernen Bürger. Die Macht im Netz scheint heute schon in der Hand von wenigen Global Players zu liegen. Und ohne technisches Verständnis, ohne Medienkompetenz, sind wir diesen hilflos ausgeliefert.