Don’t Multitask!

Mein Schulleiter erzählte mir von einem wichtigen Spruch, den sein Vater ihm auf den Weg gab:

Junge, mach’ eins nach dem anderen — wie beim Knödel essen!

Recht hat er!

Ausschlaggebend für eine Diskussion mit ihm über die Schädlichkeit von Multitasking war dieser Artikel, den ich gelesen hatte.

Die Kernpunkte sind die folgenden:

  • Genug Schlaf ist wichtig (7-8 Stunden täglich)
  • Deep Work (die Schul-/Firmenkultur sollte eine „ASAP“-Kultur vermeiden und eine Arbeit unter Vermeidung von häufigen Störungen ermöglichen)
  • Kein Multitasking

Es gibt Tage, an denen ich zu wenig Schlaf finde. Meist liegt es daran, dass am Ende des Tages, nachdem man wertvolle Zeit für die Familie gefunden hat, wenig für noch vermeintlich wichtige Dinge übrig bleibt. Man setzt sich selbst unter Druck und möchte vor dem Schlafengehen noch die Nachrichten sehen, wichtige Websites lesen, die Twitter-Timeline durchscrollen (bloß nichts verpassen!), ein Buch lesen, und, und, und… Ehe man es sich versieht ist es schon wieder Mitternacht, und der Wecker klingelt bereits um 6 Uhr morgens.

Betrachte ich meine Arbeit, dann muss ich feststellen, dass es meist unmöglich ist, mich über einen längeren Zeitraum ungestört auf eine Sache einzulassen oder an einer Idee zu arbeiten. Entweder lenken mich Mails, Telefonate oder auch Schüler/Kollegen ab, die an meiner Türe klopfen und etwas von mir benötigen. Diese „Zeitkiller“, und mögen sie noch so kurz sein, zerreißen mir die Konzentration, erhöhen den Stresslevel und sorgen dafür, dass die Qualität der Arbeit (so empfinde ich es) leidet.

Die beiden oben genannten Artikel haben mich außerdem erst dafür sensibilisiert, was für ein schlimmer Multitasker ich bin: iPhone, Mac und Apple Watch lenken mich ständig mit Notifications ab. Es gibt auch Momente, da habe ich meine Konzentration im Griff — andererseits stelle ich aber auch fest, dass ich an völlig andere Dinge denke, obwohl mein Fokus auf einer fixen Sache liegen sollte und ich dann auch selbst meine bisherige Tätigkeit unterbreche.

Das alles ist nicht gut. Bisher habe ich es gar nicht so recht bemerkt — es gibt bestimmte Artikel, die einem aber die Augen öffnen.

Und Multitasking ist wirklich schädlich. Hier ein paar Gedanken:

  • Verringerung der kognitiven Ressourcen
  • Erhöhter Glukose-Verbrauch (schnellere Ermüdung)
  • Höhere Fehleranfälligkeit
  • Langfristige Beeinflussung des Blutdrucks, der Herzfrequenz, Beeinträchtigung kognitiver Funktionen wie z.B. die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, sinkende Empathiefähigkeit, verminderte Impulskontrolle und Beeinflussung der emotionalen Regulation.
  • Zunahme der Stresshormone Cortisol und Adrenalin, Arterienverengung, erhöhter Blutzuckerspiegel, Beeinträchtigung des Immunsystems
  • Speicherung von Informationen in falschen Gehirnarealen (somit Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses)

Puh, das will man wirklich nicht haben.

Also, erst mal die allermeisten Notifications abschalten. Nichts ist so wichtig, als dass es eine Nachrichten-Dauerbefeuerung rechtfertigt. Auf dem iPhone und der Apple Watch schalte ich in der Arbeit nun auf den „Do not disturb“-Modus um. Meine Frau kann mich trotzdem noch erreichen, da sie sich in meiner Favoriten-Liste befindet. Auf dem Mac habe ich mir Quitter von Marco Arment  heruntergeladen. Nach 10 Minuten beendet dieses kleine Tool automatisch Mail, Messages und Slack, sodass ich meine Ruhe habe. Ich erziehe mich gerade dazu, dass ich meine Mails zwar mehrmals am Tag abrufe, jedoch zu Zeiten, die ich wähle und die mir die volle Konzentration erlauben. Keine Mail der Welt kann so wichtig sein, dass sie nicht warten kann — und wenn’s mal richtig brennt: es gibt auch ein Telefon.

Persönlich erwarte ich mir für die nächsten Wochen eine deutlich fokussiertere Arbeitsweise (für manche Schüler und Kollegen habe ich auch ein rotes „Bitte nicht stören!“-Schild in der Schublade!) 🙂

In diesem Sinne:

Junge, mach’ eins nach dem anderen — wie beim Knödel essen!