Audioeditor ocenaudio

Wer schon einmal mit Kindern und Jugendlichen Hörspiele oder Podcasts erstellt hat, wird feststellen, dass sich das aufgenommene Rohmaterial selten 1:1 verwenden lässt.

Versprecher, unterschiedliche Abstände zum Mikrofon, Nebengeräusche und dergleichen mehr sind ganz normal und führen häufig dazu, dass mehrere Takes notwendig sind.

Als Folge hieraus bedarf es einer Audioschnitt-Software, die es erlaubt, die einzelnen Tracks zu bearbeiten und an passender Stelle zusammenzufügen.

Zudem möchte man wohl in den wenigsten Fällen, dass eine fertig produzierte Aufnahme abrupt beginnt oder endet. Hier bieten sich als Effekte der Fade-In bzw. Fade-Out an, um für sanfte Übergänge zu sorgen.

Alles also Grundanforderungen, die an einen guten Audio-Editor gestellt werden.

Ein Programm, das man zu Recht als Quasi-Standard unter den kostenlos verfügbaren Tools bezeichnen kann, ist Audacity. Es bringt alles mit, was man von einer modernen Audiosoftware erwartet – und doch, oder gerade deswegen – erscheint das Programm überfrachtet und verwirrt mit vielen Schaltflächen, Beschriftungen und Reglern.

Zudem ist der MP3-Export nicht standardmäßig möglich, sondern muss erst über den LAME-Encoder als Plugin nachgerüstet werden – eine Hürde, an der manche scheitern.

Demgegenüber steht jedoch die Tatsache, dass Audacity kostenlos und auf jeder Plattform verfügbar ist.

Während sich aus diesen Gründen die allermeisten Nutzer bisher mit Audacity begnügten, arbeitete eine Forschungsgruppe der brasilianischen Universität von Santa Catarina an einer alternativen Software, die auf den Namen ocenaudio hört.

Mittlerweile in einer recht ausgereiften Version 2.0.15 angekommen, ist ocenaudio eine
Software, an der aktiv entwickelt wird.

Das Programm ist, wie Audacity auch, in Versionen für Windows, Mac und Linux verfügbar. Allerdings erscheint es in einer deutlich aufgeräumteren Oberfläche, lässt aber leider nur eine Spur zu, was somit verhindert, dass z.B. Geräusche über Erzähler gelegt werden können.

Ansonsten bietet ocenaudio auch innovative Features, wie z.b. “Multi-Selection”: Hierbei können mehrere Stellen der Waveform parallel ausgewählt werden, um diese dann gleichzeitig zu bearbeiten. Ein Anwendungsfall, der auf der Website beschrieben wird, zeigt wie nützlich diese Funktion sein kann: In einem Interview können beispielsweise die einzelnen Stellen, in denen der Interviewte spricht, markiert und dann gleichzeitig mit einem
Normalize-Effekt versehen werden.

Es ist erfreulich, dass ocenaudio wieder etwas Schwung in den Markt bringt. Ein grundsolides Programm, das einen Blick wert ist.