Curio Review aus Lehrersicht

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Ich bezeichne es nicht mehr als Hobby, sondern eher schon als Obsession: meine Suche nach den perfekten Tools für die Arbeit in der Schule. Es geht mir hierbei um Werkzeuge, die meinen Workflow erleichtern und bereichern.

Was habe ich nicht schon alles für die Erstellung meiner Wochenpläne benutzt: FoldingText, OmniOutliner, Markdown mit vim, Emacs org-mode, Evernote, Text-Dateien in DEVONthink Pro Office, alle möglichen MindMapper (iThoughtsX, MindNode 2, Scapple, MyThoughts,…)

Und auch für die Erstellung von Stoffverteilungsplänen habe ich es bisher mit Word, Pages, OmniPlan und zuletzt OmniGraffle probiert.

Last but not least habe ich im Unterricht zur Veranschaulichung auch immer wieder eines der oben schon aufgeführten Programme verwendet – zuletzt OmniGraffle.

Während ich jeden Wechsel als Motivation empfand, belastet es aber auch meinen Workflow (Stichwort: Durcheinander). Ich möchte endlich ein Tool, bei dem ich bleibe – im Idealfall auch ein Tool, mit dem ich alles machen kann: planen, unterrichten, vielleicht sogar korrigieren und Arbeitsblätter/Proben erstellen.

Curio scheint mir hier ein geeigneter Kandidat zu sein: Es bietet ziemlich viele, sehr durchdachte Features an, ist trotzdem leicht zu bedienen, schnell und unglaublich flexibel.

Der Hersteller Zengobi, mit seinem Chef George Browning, gehört zu den alteingesessenen Mac-Softwareschmieden. Seit 2002 entwickelt die Firma exklusiv an Curio (mittlerweile ist das Programm in Version 10 angekommen) und ist sehr aktiv bei der Pflege und Weiterentwicklung. Jedes Update bringt durchdachte und tolle neue Features hinzu.

Im Folgenden möchte ich anhand von Beispielen meine Arbeit mit Curio im schulischen Kontext vorstellen.

 

Projects, Idea Spaces, Folders, Sections

Bevor ich auf einzelne Möglichkeiten beim Einsatz von Curio eingehe, möchte ich kurz die Grobstruktur von Curio erklären.

Es gibt Projects, Idea Spaces, Folders und Sections.

Ein Project ist eine Datei im Format .curio. Es kann unzählige Idea Spaces, Folders und Sections beinhalten.

Der Arbeitsbereich, in dem gearbeitet wird und der den meisten Bereich des Bildschirms einnimmt wird Idea Space genannt. Alle Elemente, Grafiken, Texte usw. werden auf dem Idea Space angeordnet. Die Dimensionen entsprechend nicht DIN-Größen oder cm, sondern sind standardmäßig auf die Auflösung des Monitors eingestellt. Beim Druck wird ein Idea Space auf eine Seite gedruckt.

Folders dienen dem Gliedern von Idea Spaces. Sie ähneln den Ordnern im Dateisystem.

Folders

Zuletzt gibt es noch die Sections. Diese sind mit den Registern eines Aktenordners zu vergleichen und bieten zu den Folders eine übergeordnete Struktur. Gerade bei großen Projekten können Sections hilfreich sein.

Sections

 

Wochenpläne mit Stacks

Bisher habe ich meine Wochenpläne entweder als Listen oder als Mindmaps realisiert.
Mindmaps wurden mir meist zu unübersichtlich – Listen zu starr und unflexibel.

Mit der Version 10 hat Curio nun ein neues Feature eingefügt, das für mich wie geschaffen für die Wochenplanarbeit ist: Stacks!

Bei Stacks handelt es sich um Blöcke, die ähnlich einer Liste funktionieren. Jede Kalenderwoche erhält einen eigenen Idea Space. Darin erstelle ich pro Wochentag einen Stack.

Wochenplan Organizer

Mit einem Doppelklick innerhalb eines Stacks wird ein neuer Eintrag erstellt. Dies mache ich sowohl für die einzelnen Fächer als auch für die eigentlichen Unterrichtsinhalte.

Um einzelne Einträge abzuhaken, empfiehlt es sich Checkmarks einzufügen (Inspector > Meta > Checkmars bzw. ganz komfortabel mit Shift-X). Hier liegt auch der Zauber von Curio: JEDE Figur kann mit Meta-Elementen versehen werden (dazu gehören bspw. auch Start-, Due-Dates, Priorities oder auch Stars).
Um später ein Element abzuhaken kann man diese Checkmark entweder anklicken oder einfach X tippen.

Mit einem Rechtsklick auf ein Stack-Element kann man über “Attach File” eine Verknüpfung auf eine Datei (z.B. ein Arbeitsblatt) erstellen – Dateien, die per Drag & Drop in einen Idea Space gezogen werden, werden standardmäßig in das Projekt kopiert und eingebettet.

Woran liegt jetzt der Vorteil von Stacks? Meiner Meinung nach darin, dass man sehr schnell und komfortabel einzelne Elemente zwischen Stacks verschieben kann. Was ich am Dienstag im Unterricht nicht mehr schaffe hake ich nicht ab, sondern ziehe es auf eine nächste Unterrichtsstunde.

Ebenso wie bei den Meta-Elementen können Notizen auf alle Figuren gelegt werden. Gerade bei den Fächern (Englisch 9a) verwende ich diese Funktion gerne, um mir bspw. die Abwesenheit von einzelnen Schülern zu notieren. Dazu wählt man das Element aus und klickt oben in der Menüleiste auf “Show notes inspector”.

Wochenplan und Notes Inspector

 

Stoffverteilungspläne

Die Stoffverteilungspläne lege ich im Prinzip wie die Wochenpläne an. Stacks gliedern hierbei grob (in Englisch z.B. die einzelnen Units).

SVP

Und jetzt spielt Curio wieder seine Stärken aus:
Die anstehenden Proben werden gleich als Figur mit eingetragen. Unter Inspector > Meta > Start Date definiere ich dann schon ein mögliches Datum für den Test.

Start Date

Gleichzeitig habe ich in der Kalender App einen Kalender mit dem Namen “Englisch 9” erstellt.

Wähle ich in Curio jetzt den Project Inspector aus, so kann ich unter Calendar meinen Kalender “Englisch 9” zum synchronisieren auswählen.
Bei jedem Speichern des Projekts oder beim Beenden von Curio schreibt das Programm mir dann die veränderten Termine in den Kalender.

Calendar

Diese Synchronisierung erfolgt nur aus Curio heraus in den Kalender. Umgekehrt, wenn ich also einen Kalendereintrag im Kalender hinzufüge, wird nichts synchronisiert. Dies scheint wohl technisch nicht möglich zu sein.

Kalender

 

 

Schülerbeoachtungen

Auch Schülerbeobachtungen lassen sich einfach und übersichtlich mit Curio erstellen.

Template Schülerbeobachtungen

Hierzu habe ich, ähnlich wie bei den Wochenplänen ein Template erstellt, das ich dupliziere und dann umbenenne.

Für den Datenschutz wichtig: Im “Project Inspector” kann ein Passwort vergeben werden. Curio fragt dann bei jedem Öffnen der Datei danach.

Passwort

Ein wichtiger Hinweis an der Stelle aber noch: Curio verschlüsselt mit AES-128, aber nur die internen Inhalte (also die Elemente, die im Programm angeboten werden, z.B. Text, Index Cards usw.).
Es verschlüsselt aber keine externen Dateien, die eingefügt werden. Von sensiblen Dokumenten, die per Drag & Drop in den Idea Space gezogen werden, sollte man also absehen.

Ebenso verwendet Curio die Namen der Idea Spaces, um in der .curio-Datei Unterverzeichnisse zu erstellen. Somit würden also die Klarnamen der Schüler erscheinen. Ich verwende bei der Namensgebung der Idea Spaces deshalb nur die Initialien, im Idea Space selber dann aber den vollen Namen (dieser wird ja mit AES-128 verschlüsselt).

 

Ersatz für IWB

Ich teile die Ansicht meiner Kollegen, dass Interaktive Whiteboards für einen individualisierten Unterricht mit Gruppenarbeit nicht geeignet sind.

In meinem Unterricht setze ich vielmehr darauf, dass die Schüler mit mobilen Geräten (Laptops und iPads) arbeiten und ihre Ergebnisse präsentieren.

Das heißt natürlich nicht, dass auf Frontalunterricht verzichtet wird, ganz zu Schweigen von einer Motivationsphase zu Beginn einer Stunde.

Hier ist Curio genau richtig. Es kann alles, was man von einer IWB-Software erwartet.

Einige Einsatzszenarien:

Captions
Ich zeige zu Beginn einer Stunde mehrere Bilder. Vorab habe ich diese mit “Captions” versehen (Rechtsklick > Show Captions) und kann diese dann wieder ausblenden (Rechtsklick > Hide Captions). Die Schüler lasse ich dann benennen und aufdecken. Das geht auch wunderbar bei Vokabelarbeit.

Captions

Show Caption

Presentation
Präsentationen lassen sich über die Schaltfläche “Presentation” starten. Hierbei wechselt Curio in den Vollbildmodus. In diesem Modus lassen sich einzelne Elemente auch anklicken und hervorheben. Zusätzlich kann man durch Drücken der Ziffern 0 bis 5 Sterne vergeben. Ich verwende das, um z.B. Themen auf einzelne Gruppen zu verteilen.

Presentation

Stars

Figure Actions
“Figure Actions” sind Aktionen, welche sich auf einzelne Elemente legen lassen. Beim Anklicken des Elements können dann verschiedene Ziele geöffnet bzw. angezeigt werden:

  • anderer Idea Space
  • URL
  • neue Mail verfassen
  • File im Dateisystem
  • Jump Target (also spezifisches Element in einem anderen Idea Space)
  • Apple Script

Figure Action

Jump to Idea Space

Somit lassen sich bei der Vorbereitung einer Presentation bereits Links hinterlegen, die dann schnell angeklickt werden können. Aber auch Sprünge auf andere Idea Space sind eine tolle Möglichkeit, um zu vernetzen.

Secondary View
Mit dem Secondary View – zu erreichen über View > Show Secondary View – lässt sich die Ansicht in Curio zweiteilen. Perfekt, um bspw. aus einer Website Informationen zu entnehmen und dann eine Mindmap zu erstellen.

Show Secondary View

Secondary View

Video Embeds
Videos von YouTube und Vimeo lassen sich bequem im Idea Space einbetten und können dann auch direkt von da abgespielt werden.

Add Video

YouTube

 

 

Notizen

Notizen mache ich mir auf den Idea Spaces gerne mit den Index Cards.

Geheimtip: Für die Standard-Index Card genügt das Drücken von i, i, Enter. Das erste “i” ist das Shortcut für “Insert”, das zweite für “Index Card” und Enter bestätigt die erste Auswahl.

Index Cards

Aber auch mein geliebter OmniOutliner lässt sich, neben anderen Dateitypen, wunderbar einbinden (Rechtsklick > Insert Instant Document).

Insert Instant Document

Wird die Beschreibung neben dem Icon umbenannt, so ändert sich der echte Dateiname (eingebettet in der Verzeichnisstruktur innerhalb der .curio-Datei) mit. Sehr durchdacht!

OmniOutliner

Mit Rechtsklick > Reveal in Finder lässt sich die Datei im Dateisystem wieder anzeigen. Dies funktioniert mit jeder Datei, auch mit Bildern. Die Dateien werden also nicht einfach eingebettet in Curio, sondern sie bleiben wirklich auch auf der Festplatte erhalten und können unverändert geöffnet werden.

 

Korrektur

Mit “Spread PDF” hat Curio eine äußerst schicke Lösung, um sich Notizen zu PDF-Dateien zu machen. Selbstverständlich lassen sich Highlights und Anmerkungen in der PDF-Datei mit Preview.app oder Alternativen anfertigen. Curio nutzt hier aber den ganzen Idea Space aus, um Seite für Seite auszubreiten und daneben alle möglichen Elemente (ich nutze hier Index Cards) zu platzieren.

Das funktioniert so:
Man zieht eine PDF-Datei per Drag & Drop in den Idea Space und platziert daneben eine Index Card.

Single Spread PDF
Anschließend markiert man beide Element und wählt über den Rechtsklick “Single Page Spread PDF” aus.
Curio breitet dann über den ganzen Idea Space beide Element mit steigender Seitenzahl aus.

Spreaded PDFs
Standardmäßig sind das bei Curio 20 Seiten pro Idea Space. Sollte das Dokument jedoch mehr Seiten beinhalten, so kann man bequem auf den ersten Idea Space im Organzier mit Rechts klicken und “Spread PDF” auswählen. Es werden dann weitere Idea Spaces mit den restlichen Seiten erstellt.

Spread PDF

Auch die Synchronisierung verläuft vorbildlich: Highlights in Curio werden im PDF übernommen und in Preview.app angezeigt – umgekehrt auch. Perfekt!

Anwendungsfall in der Schule: geschriebene Arbeiten als PDF von den Schülern bekommen, annotieren in Curio und dann wieder als Export in PDF an die Schüler zurück.

 

Curiota

Mit der neuen Version 10 hat Curio auch eine kleine Ergänzung für die Menubar bekommen.

In Curiota gibt man entweder kurze Texte ein und kann sogar Bilder hinzufügen, um diese dann später wiederzufinden. Oder man findet für seine Unterrichtsvorbereitung gute Links – diese lassen sich aus Safari direkt auf das Curiota Icon ziehen. Dann ein Klick auf “Close” und man muss sich erstmal keine Gedanken mehr über den Speicherort machen.

Curiota

Arbeitet man zu einem späteren Zeitpunkt mit Curio, dann kann man bequem auf diese Notizen wieder zugreifen und in seine Idea Spaces ziehen. Der Zugriff erfolgt über Library > Local.

Library

Wichtig: Zuvor muss einmalig Curio mit Curiota verbunden werden über das Zahnrad.

Connect to Curio

 

Arbeitsblätter und Proben

Ich habe noch kaum Arbeitsblätter und Proben mit Curio erstellt und es ist garantiert kein Word Processor oder gar Satzprogramm und dafür eigentlich auch nicht gedacht.

Für einen kurzen Vokabeltest hat es bisher aber allemal gereicht. Die Erstellung ging recht schnell von der Hand.

Word Test

 

Fazit

Curio ist für mich ein Programm, das vollumfänglich (fast) meinen gesamten schulischen Workflow unter einer Oberfläche vereint.

Es hat so viele Features, die auch so wohlüberlegt umgesetzt wurden, dass es einem schon fast unheimlich wird. Bei meiner täglichen Arbeit entdecke ich immer wieder neue Funktionen, die mich total überraschen.

Man spürt regelrecht die Leidenschaft und die Weitsicht, die Zengobi bei diesem Stück exzellenter Software hat.

Ich wünsche mir, dass die Entwicklung so professionell weitergeht wie bisher und … wer weiß, vielleicht kommt ja noch eine Version für iOS! 🙂

Curio kann mit Bildungsrabatt zum Preis von 79 € bezogen werden (die Standardversion kostet 128 €).

 

Die Curio-Datei, mit der ich diesen Beitrag geplant und geschrieben habe gibt es hier.

Für dieses Review wurde mir eine Lizenz von Curio zur Verfügung gestellt.

One thought on “Curio Review aus Lehrersicht

  1. Hallo Tobias,
    danke für die Review.
    Meine Wochen- und Tagesplanung mache ich bisher mit Evernote, das bietet mir im Vergleich zu Curio auch mal einen Zugriff über iOS.
    Ich habe Curio in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt, werde es mir nun doch mal wieder etwas genauer ansehen.
    Gruß Alex

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